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Zum offensichtlich schwierigen Umgang mit Hamas

27. Januar 2009 Keine Kommentare
Verfasst von Frau Prof. Dr. Karin Kulow

Zum offensichtlich schwierigen Umgang mit Hamas

Einige Anmerkungen

Man muss kein Freund von Hamas sein – und schon gar nicht deren Ideologie wie Politik gut heißen -, um dennoch dafür zu plädieren, dass deren Einbeziehung in den notwendigen Verhandlungsmechanismus für einen dauerhaften Frieden zwischen Israelis und Palästinensern unerlässlich ist. Das hat sich in gewisser Weise schon im Zusammenhang mit dem Oslo-Prozess in den 1990er Jahren gezeigt und bestätigt sich aktuell nachhaltig im Gaza-Streifen. Ein Friedensschluss erfolgt eben in der Regel nicht zwischen Freunden, sondern im Ergebnis eines tragfähigen Agreements zwischen ehemals verfeindeten Parteien. Auch der ägyptische Präsident Sadat und der israelische Ministerpräsident Begin waren zuvor keine Freunde gewesen und hatten sich dennoch unter Schirmherrschaft des damaligen US-Präsidenten, James Carter, zum Friedensabkommen in Camp David 1978 bereit gefunden. Um den Frieden muss stets geduldig gerungen werden, und er fordert von allen beteiligten Seiten einen Tribut. Darunter vor allem, sich von „überlebten Mythen und Ideologien der Selbstverblendung”[1] zu verabschieden, was im israelisch-palästinensischen Verhältnis offenkundig schwer genug ist. Geht es doch um den Anspruch zweier Völker und Nationalbewegungen auf ein- und dasselbe Land auf einer Gesamtfläche von immerhin nur 26.876 km² und einer zudem noch wirkungsmächtigen religiösen Historie.

Diese äußerst diffizile und zugleich auch sehr tragische Konfliktfiguration macht anscheinend nicht nur eine Lösung zwischen den betroffenen Konfliktparteien so außerordentlich kompliziert. Wie immer wieder festzustellen ist, bereitet es auch den Linken erhebliche Schwierigkeiten, einen solchen Zugang dazu zu finden, der die zwangsläufig kollidierenden Interessenlagen so gegeneinander abzuwägen vermag, dass Einseitigkeiten zuungunsten des jeweils anderen weitestgehend vermieden werden. Oder konkret gesagt, die „Sicherheit Israels und das Recht auf einen eigenen palästinensischen Staat zusammen(zu)denken”[2]. Nicht zuletzt an Hamas scheiden sich dabei die Geister.

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Text zur Weihnacht von Heinz-Dieter Winter

21. Dezember 2006 Keine Kommentare

Krieg, Politik und Religion im Heiligen Land
Von Heinz-Dieter Winter Botschafter a.D.
(„Leipzigs Neue“ 22.12.2006)

Weihnachten schaut die Welt nach Bethlehem, dem Ort, wo nach biblischer Überlieferung vor mehr als Zweitausend Jahren Jesus Christus zur Welt gekommen war. Sechshundert Jahre später verkündete Mohammed mit dem Koran den Islam, der auch Jesus Christus als Propheten anerkennt Der Nahe Osten ist der Ursprung dreier Weltreligionen: Judentum, Christentum und Islam.

Doch gerade das Heilige Land, wo nach dem Lukas-Evangelium in Bethlehem in der Geburtsnacht von Jesus die Botschaft vom „Frieden auf Erden“ verkündet wurde, ist Schauplatz eines nicht enden wollenden Konfliktes, der in diesem Jahr zum sechsten Krieg seit 1945 führte.

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Antwortschreiben des Präsidenten des Europ. Parlaments an das NOF

15. März 2005 Keine Kommentare

Josep Borrell Fontelles
Presidente
18.03.2005

An das Nahost-Forum e.V.
c/o Botschafter a. D. Heinz Knobbe

Sehr geehrter Herr Botschafter,

vielen Dank für Ihren Brief vom 18. Februar 2005, in dem Sie Ihre Besorgnis über den Konflikt zwischen Orient und Okzident zum Ausdruck bringen und auf die Notwendigkeit eines Dialogs zwischen den unterschiedlichen Kulturen hinweisen.

Ich habe heute ein Schreiben an Herrn Botschafter Dr. Seifert geschickt, der mir, wie Sie wissen, ein Schreiben mit ähnlichem Inhalt hat zukommen lassen, und in dem ich auf seine und Ihre Besorgnis eingehe.

Der Einfachheit halber erlaube ich mir, auf den Inhalt des Briefes zu verweisen, der diesem Schreiben beigefügt ist.

Hochachtungsvoll

Josep BORRELL FONTELLES

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Unterstützendes Schreiben des NOF an den Präsidenten des EU-Parlaments

26. Februar 2005 Keine Kommentare

Berlin, 18. Februar 2005

Sehr geehrter Herr Präsident,

die Mitglieder unseres 1996 in Berlin gegründeten Nahost-Forums unterstützen vorbehaltlos und aus ganzem Herzen die am 17. Februar 2005 im gemeinsamen Schreiben von Botschaftern a. D. der vormals zwei deutschen Staaten an Sie getroffene Bewertung der zutiefst beunruhigenden Entwicklung des europäisch-arabischen bzw. –islamischen Verhältnisses und die daraus abgeleiteten konkreten
Handlungserfordernisse.

Zu Selbstverständnis und Anspruch der in unserem Verein engagierten ehemaligen und aktiven Diplomaten, Wissenschaftler, Wirtschafts- und Regionalexperten mit teilweise Jahrzehnte langer beruflicher Bindung an den Nahen und Mittleren Osten und das nördliche Afrika gehört, zum friedlichen Zusammenleben der Völker Europas mit unseren südlichen Nachbarn beizutragen und der Schaffung ethnisch bzw. religiös definierter Feindbilder entgegenzutreten.

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Das Alt-Neue in Israel-Palästina

9. Februar 2005 Keine Kommentare

Gibt es nach dem Gipfel einen Neuanfang?
von Heinz Knobbe

(gekürzt abgedruckt in “Neues Deutschland, 9. 2. 2005)

Das erste offizielle Treffen zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten Scharon und dem Palästinenserpräsidenten Abbas unter Beteiligung des ägyptischen Präsidenten Mubarak und des jordanischen Königs Abdulla II. in Scharm el Scheich ist vorbei. Jeder, der die Wiederaufnahme des Friedensprozesses im Nahen Osten unterstützt, begrüsst den Gipfel der Vier, könnte er doch zu einem neuen Anfang in den Beziehungen zwischen der israelischen Regierung und der palästinensischen Führung und damit des unterbrochenen Programms von Oslo werden. Er war ein erster Schritt, aber mehr auch nicht, denn Antworten auf substanzielle Fragen hat er nicht gegeben. Was folgt nach dem vorgesehenen Rückzug Israels aus dem Gaza-Streifen, wie sind die weiteren Perspektiven, auch unter Berücksichtigung der Politik der neuen US-Regierung? Was können wir vom Nahost-Quartett erwarten, welche Chancen hat die sogenannte Road Map wiederbelebt zu werden?

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Pressebeitrag von Heinz Knobbe, Vorstandsvorsitzender des NOF

13. November 2004 Keine Kommentare

Müssen wir uns mit der Angst abfinden?

Islam, Islamismus, Dschihad – eine Gefahr für Deutschland?
Statt Hysterie ist Dialog und Aufklärung nötig

von Heinz Knobbe

In unserer Gesellschaft wird viel über Islam, Islamismus, Dschihad, Terrorismus geschrieben, gesprochen, ja gestritten. Der jüngste Auftritt von Osama bin Laden im arabischen Fernsehsender Al Dschasira, in dem er mit neuen Anschlägen drohte, gibt erneut Anlass, sich zu fragen: Besteht eine reale Gefahr für Deutschland? Falls ja, wie soll man ihr begegnen? Durch „dichte Netzwerke mit engen Maschen und starken Verknüpfungen“, wie Bundesinnenminister Otto Schily auf der BKA-Herbsttagung Ende vergangener Woche forderte? Und mit gewalttätigen Anti-Terror-Aktionen wie in den Niederlanden dieser Tage?

Auf der Münchener Sicherheitskonferenz im Februar 2004 bezeichnete der deutsche Außenminister „den Dschihad- Terrorismus mit seiner totalitären Ideologie“ als die größte Bedrohung nicht nur für den Nahen und Mittleren Osten, sondern generell für die globale Sicherheit der Menschheit und damit indirekt auch für Deutschland. Diese undifferenzierte Betrachtung führt u.a. zum hysterischen Herangehen an diese Probleme durch Medien, teilweise auch durch die Regierung, wie es sich z.B. in der spektakulären Aktion bei der Ausweisung des „Kalif von Köln“, des sogenannten Hasspredigers Metin Kaplan, gezeigt hat. Auch das Verbot der von einigen arabischen Persönlichkeiten in Berlin geplanten Islam-Konferenz durch Innensenator Körting, der auf Geheiß von Innenminister Schily handelte, kann keine Lösung der Probleme sein, zumal die islamischen Staaten daran arbeiten, ein Islamisches Zentrum in Berlin einzurichten. Auch Schilys jüngste Initiative, in Libyen Auffanglager für Asylbewerber einzurichten, um potenzielle Terroristen überprüfen zu lassen, ist ein untauglicher Versuch. Er zeugt nicht nur von Arroganz gegenüber diesem arabischen Land, sondern auch von der Hilflosigkeit der deutschen Organe, den bestehenden Gefahren im eigenen Land zu begegnen.

Beschäftigen wir uns zunächst mit den Begriffen, mit denen die breite Öffentlichkeit konfrontiert wird.

1.
Der Islam ist eine Weltreligion wie das Christentum, das Judentum, der Buddhismus. Er ist eine Weltanschauung, die auf normativer Tradition, auf heiligen Texten des Koran (Offenbarung) und der Sunna (Prophetentradition) beruht. Die Wertevorstellungen in einer islamischen Gesellschaft unterscheiden sich von denen der westlichen Welt. Das trifft z.B. auf die Bewertung der Menschenrechte und der Demokratie zu. Im Islam wird die Verantwortung des Menschen der Freiheit vorangestellt, wird der Einzelne stärker an die Gemeinschaft gebunden, wird Individualismus als egoistisch und destruktiv verworfen. Im Vordergrund steht die Familiensolidarität, der Grundsatz: der Stärkere hilft dem Schwächeren, der Reiche dem Armen. Nehmen wir das letztere Prinzip, das in einer „islamischen Ordnung“ nicht nur Theorie, sondern auch angestrebte Praxis ist. Welchen Platz nimmt es in der westlichen Welt ein?

Natürlich sind solche Schlüsselbegriffe des Islam wie Khalifa (Herrscher) und Sharia (göttliches Gesetz) in der bürgerlichen Gesellschaft fremd. Die Bindung an die Sharia lässt einer Volkssouveränität in unserem Sinne kaum Raum, denn nach der islamischen Staatslehre ist allein Gott souverän.

Islam ist jedoch nicht gleich Islam, sowohl in der Lehre als auch in der Praxis. Die regional jeweils vorherrschenden Verhältnisse in der muslimischen Gesellschaft sind unterschiedlich. Sie bewirken, dass es keinen einheitlichen Islam, dass es gegenwärtig kein allgemein akzeptiertes Modell einer „islamischen Ordnung“ gibt. Nehmen wir z.B. den Gottesstaat Iran oder den wahabitischen fundamentalistischen Islam in Saudi-Arabien oder die laizistische Türkei. Diese Staaten unterscheiden sich in der Form und Intensität, mit der die herrschende Religion auf Politik und Alltagsleben der Bevölkerung einwirkt.

2
Was ist unter Islamismus zu verstehen? Wie die Judaisierung in der israelischen , die Christianisierung in der amerikanischen Gesellschaft unter der gegenwärtigen Regierung , so vollzieht sich auch der Prozeß der Islamisierung in der arabischen Welt, die Radikalisierung des Islam.

Den Islamismus – auch wenn einige islamische Gelehrte den Begriff
ablehnen – verstehen wir als eine Bewegung, die man auch islamischer Fundamentalismus oder militanter Islam nennen kann. Urvater dieser Bewegung war der Ägypter Hassan al-Banna, der 1928 die Muslimbruderschaft mit dem Ziel gegründet hatte, die in den arabischen Ländern bestehende Staatsgewalt zu bekämpfen, die nach seiner Meinung vom wahren Islam abgewichen sei und sich dem Westen ausgeliefert habe. Als Beispiel wird das Versagen der arabischen Regierungen in den Kriegen mit Israel 1948 und 1967 genannt.

Diese Entwicklung ist natürlich auch ein Ergebnis einer muslimischen historischen und gesellschaftlichen Erfahrung der Zweitklassigkeit gegenüber „dem Westen“ sowie einer massenhaft empfundenen Perspektivlosigkeit unter den bestehenden innenpolitischen Realitäten in der Region geschuldet.

Die arabischen Regierungen sind mit dem politischen Islamismus, dem „Dschihad im Islam“, dem nach innen gerichteten Aufruf, einen islamischen Gottesstaat zu errichten, unterschiedlich umgegangen. Während dessen Vertreter in Jordanien in das politische System integriert wurden, fanden sich andere in Ägypten und Syrien in Gefängnissen wieder.

3
Der Begriff Dschihad hat in der traditionellen islamischen Kultur eine positive Bedeutung. Er verlangt vom Gläubigen, den Geltungsbereich der religiösen Gebote des Islam zu erweitern und deren Einfluß zu vertiefen. Als Motor der Ausbreitung des Glaubens drückt er sich nur im Extremfall im „Heiligen Krieg“ aus, die Bekehrung der „Ungläubigen“ mit dem „heiligen Buch und dem Schwert“. Mit Bezugnahme auf diese religiöse Pflicht vollzogen sich in den letzten Jahrzehnten, besonders nach dem 6-Tage-Krieg zwischen Israel und den arabischen Staaten – nicht erst nach dem 11.September 2001 – Entwicklungen zum Terrorismus. Es entstanden Organisationen wie „Dschihad-Islami“, deren Vertreter wie Mohammed Rabi al-Zawahiri nicht nur gegen ihre eigenen Regierungen den militärischen Kampf führten, u.a. am Attentat auf Sadat beteiligt waren, sondern auch in Afghanistan gegen den Einmarsch der Sowjetarmee kämpften und sich später mit Osama bin Laden im Kampf gegen die USA verbündeten. Andere wie „Gamaa Islamiya“ verübten Attentate auf ausländische Touristen. Ihre Aktivisten sind heute fanatische Kämpfer, die mit der modernen Technik umgehen, Flugzeuge steuern können.

4
Der Terrorismus ist kein neues Problem. Die Menschheitsbedrohung kündigte sich lange vor der Vernichtung des World Trade Centers an. Selbst in den USA war der Terrorismus stets beheimatet. Denken wir an die Morde an Lincoln und an den Kennedys, an das Sektenmassaker von Waco in Texas. Der 11. September ist deshalb für die Amerikaner keine Zeitenwende, auch wenn er so dargestellt wird.

Was verbirgt sich hinter der von der Bush-Regierung verkündeten „Weltweiten Allianz gegen den Terrorismus“? Welche Rolle wird dem Islam im Anti-Terrorismus-Krieg zugewiesen?

Zur Zeit des Kalten Krieges nahmen die westlichen Regierungen den Islam eher als harmlos wahr oder benutzten die religiösen Extremisten aktiv als Partner im Kampf gegen Moskau. Einer der Organisatoren des antisowjetischen Kampfes in Afghanistan war Osama bin Laden, ein Sprössling des saudi-arabischen Fundamentalismus. Dennoch zeigen die Regierungen des Westens bis heute eine auffallende Flexibilität im Umgang mit dem totalitären Herrschaftssystem dieses Wüstenstaates.

Auch Israel zog sich mit der Hamas einen erbitterten Gegner selbst groß. In den 70-er Jahren förderte es in den besetzten palästinensischen Gebieten die Muslimbruderschaft und deren militanten Arm, die Hamas. Diese sollte für Tel-Aviv als probates Mittel im Kampf gegen die PLO dienen.

Die von der USA-Administration nach dem 11.September mit viel Getöse ins Leben gerufene „Allianz zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus“ ist der Versuch, die Weltpolitik neu zu ordnen, die amerikanischen Positionen im „erweiterten Nahen Osten“ und in Zentralasien auszubauen. Die Theorien von der „Achse des Bösen“ sowie von den „Schurkenstaaten“, die von den christlichen Fundamentalisten der USA ausgearbeitet und vertreten wurden, lassen in den arabischen Ländern berechtigt den Verdacht aufkommen, die USA führten unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung einen Krieg gegen den Islam. Wir kommen an der Feststellung nicht vorbei, dass nur dort, wo die Frage islamische Religiosität das US-amerikanische Vormachtstreben berührt, das Feindbild „Islam-Islamismus“ gepflegt wird. Für Washington ist islamischer Fundamentalismus als politische Komponente offenkundig
zweck- , zeit- und regionsabhängig.

5

Was hindert die deutsche Regierung daran, aus dieser Strategie der USA herauszutreten und eigene Interessen zu vertreten, auch im Nahen Osten?

Außenminister Fischer hat in seiner auf der o.g. Münchner Sicherheits-konferenz unterbreiteten „Transatlantischen Initiative für den Nahen Osten“ eine enge Partnerschaft Europas und Amerikas mit den Staaten dieser Region in Sachen Sicherheit, Politik, Wirtschaft, Recht, Kultur und Zivilgesellschaft gefordert. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die deutsche Regierung im Fahrwasser der US-Politik verblieben ist. Wie ist es z.B. sonst zu rechtfertigen, dass sie im UNO-Sicherheitsrat bei der Abstimmung über eine Resolution der arabischen Staaten, in der das gewaltsame Vorgehen der Scharon-Regierung im Gaza-Streifen gegenüber unschuldigen Frauen und Kindern verurteilt werden sollte, sich der Stimme enthalten hat? Warum erhebt sie ihre Stimme nur gegen die Aktionen der palästinensischen Selbstmordattentäter in Israel, aber kaum gegen die Tötungsaktionen der israelischen Armee in den palästinensischen Gebieten, die man als Staatsterrorismus bezeichnen könnte?

Müssen wir uns wundern, wenn arabische Extremisten, die sich im Befreiungskampf gegen die Besatzer wähnen, die Bundesrepublik als Helfer der USA und Israels im Nahen Osten betrachten, wenn Deutschland in den Augen von Islamisten zum Lager der sogenannten Kreuzzügler gezählt wird? Auch in auflagenstärksten Blättern dieses Landes anzutreffende rassistische Hetze gegen Muslime trägt nicht dazu bei, Deutschland von der Liste als legitim betrachtetes Anschlagsziel zu streichen.

Es wird höchste Zeit, dass die deutsche Regierung im Rahmen der EU Initiativen unterbreitet, die die arabischen Staaten bei der gemeinsamen Überwindung des Terrorismus als gleichwertige Partner behandeln. Die europäischen Staaten mit ihrem Demokratieverständnis müssen besser früher als später die hohe Hürde nehmen, auch den Verhandlungsweg als zwingende Konfliktlösungs- und Terrorpräventionsinstrument zu akzeptieren.

„Wir müssen effektiver Hand in Hand arbeiten. Der Westen sollte einen wirklichen Dialog mit der arabischen Welt eingehen. Dies ist der einzige Weg“- forderte unlängst der ägyptische Botschafter in der Bundesrepublik, Mohammed Al-Orabi.

Natürlich ist die Zusammenarbeit mit anderen Staaten bei der Terrorismus-Bekämpfung sinnvoll und notwendig, jedoch nur ein Weg. Im eigenen Land müssen zu dem eigene effektive Maßnahmen unternommen werden, um die bestehende Gefahr des islamischen Extremismus und Terrorismus in Deutschland zu minimieren. Nach den Anschlägen in Madrid ist dies ein Gebot der Stunde. In seinem gerade erschienenen Buch “Terrorbasis Deutschland“ beschreibt Berndt Georg Thamm ausführlich die islamistische Gefahr in unserer Mitte, wie sich über ein Jahrzehnt Terroristen ungestört in Deutschland einrichten und von hier aus brutale Aktionen planen konnten, Anschläge nach wie vor verüben können. Es könnte sich die Frage stellen: Was ist das für ein Rechtsstaat, bei dem bei der Bekämpfung von Ausländern, die in Deutschland zum Mord aufrufen, nicht die Sicherung des Lebens potenzieller Opfer als erstrangiges Menschenrecht Priorität hat, sondern das Durchspielen aller Ebenen der 3-Gewaltenteilung?

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An dem „Fall Kaplan“ wird deutlich, wie schwer sich der Staat mit einem islamischen Gotteskrieger tut, der nach seiner Abschiebung in die Türkei von den dortigen Organen sofort hinter Gitter gesetzt wurde. “Wie ist es möglich, -fragt Thamm in seinem Buch- daß der Staat und seine Organe von einem Extremisten derart an der Nase herum- und vorgeführt werden können“ und zitiert den Vorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei Freiberg: “Wir werden erst aufwachen, wenn auch bei uns etwas Schreckliches passiert ist.“

Was also tun? Terrorismusexperten betonen in ihren Veröffentlichungen, dass es keine absolute Sicherheit gäbe und auch in absehbarer Zukunft nicht geben wird, dass wir uns darauf einstellen müssen, mit der Bedrohung durch den islamistischen Terror zu leben.

Mit diesem Ausblick sollten wir, die Bürger dieses Staates, uns nicht abfinden. Die Auseinandersetzung mit dem Islamismus ist nicht nur ein weltpolitisches Problem, sie muß in Deutschland vor allem ein gesamtgesellschaftliches Anliegen werden. Über die von den staatlichen Organen wahrzunehmenden Sicherheitsaufgaben hinaus gilt es, die Bildungs- und Aufklärungsarbeit über den Islam als kulturelle Auseinandersetzung zu entwickeln, die Kenntnisse über diese Weltreligion zu vertiefen, dabei Toleranz gegenüber dem Andersdenkenden üben zu lernen. Das wäre ein Feld, auf dem sich Medien sowie bildungs- und kulturpolitische Organisationen in unserem Land verdient machen können.

(Der Autor ist Vorstandsvorsitzender des Nahost-Forums e.V., Botschafter a.D.)

Beileidsschreiben zum Tod von Prof. Karl-Heinz Bernhardt

10. August 2004 Keine Kommentare

Sehr geehrte Frau Bernhardt!

Im Namen des Vorstandes des Nahost-Forums, dem Prof. Dr. Karl-Heinz Bernhardt über viele Jahre angehörte, übermitteln wir Ihnen unser tiefempfundenes Beileid zum plötzlichen Ableben Ihres Gatten.

Ihre Nachricht, die uns über Frau Knobbe am Morgen nach unserer Zusammenkunft erreicht hat, hat uns alle tief erschüttert, war doch der Professor von Anfang an an der Entwicklung unseres Forums beteiligt, hat dabei einen sehr aktiven und äußerst wertvollen Beitrag geleistet.

Sein Wirken, sein Auftreten zur Bedeutung des Nahen Ostens für die Religionsgeschichte der Welt und deren Wirkung auf die Neuzeit, für die Verständigung zwischen den Menschen, Völkern und Staaten des Orients und Okzidents, für die friedliche Lösung der Konflikte und das Zusammenleben und –wirken der Kulturen haben den Weg unseres Forums mitbestimmt.

Wir werden sein Andenken in Ehren halten!

Für alle Vorstandsmitglieder
Heinz Knobbe
Vorsitzender

Antrag Alternat. Nobelpreis für S. – H. Günther

10. Januar 2004 Keine Kommentare

Nahost-Forum e.V.
Vorstandsvorsitzender Heinz Knobbe
www.nahost-forum.de

The Right Livelihood Award
PO Box 15072
S – 10465 Stockholm
Schweden

Berlin, 10.01.2004

Antrag auf Auszeichnung mit dem Alternativen Nobelpreis

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Nahostforum e.V. unterstützt den von Solidaritätsdienst International e.V. mit Datum vom 20.08.2003 gestellten Antrag auf Auszeichnung von Herrn Prof. Dr. Siegwart – Horst Günther mit dem Alternativen Nobelpreis.

Das Nahost – Forum e.V. ist ein Verein , der 1996 in Berlin gegründet und als gemeinnützig registriert wurde und sich die Förderung der Beziehungen mit den Völkern des Nahen Ostens und Nordafrikas zur Aufgabe stellt. Seine Mitglieder sind zumeist Bürger, die in Ländern des nahöstlichen Raumes tätig waren oder noch sind oder mit ihrer Tätigkeit mit diesem Gebiet und seinen Menschen verbunden waren oder sind. Wir organisieren Veranstaltungen mit Wissenschaftlern und Journalisten und Diplomaten zu aktuelle Problemen und verfolgen natürlich die Entwicklungen in diesem Raum mit großem Interesse.

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Brief an Minister Fischer – 27. 10. 1998

28. Oktober 1998 Keine Kommentare

Berlin, 27.10.98
Herrn
Joschka Fischer
Stellvertreter des Bundeskanzlers und
Bundesminister des Auswärtigen der Bundesrepublik Deutschland
53113 Bonn
Adenauerallee 99 – 103

Sehr geehrter Herr Minister,

zu Ihrem Wahlerfolg und Ihrer Berufung zum Stellvertreter des Bundeskanzlers und Bundesminister des Auswärtigen übermittele ich Ihnen die aufrichtigen Glückwünsche des Vorstandes des Nahost-Forums e.V.

Möge es Ihnen gelingen, die Position der Bundesrepublik Deutschland in der internationalen Arena im Interesse des Friedens und des freundschaftlichen Zusammenwirkens aller Staaten und Völker zu stärken und vor allem die engen Beziehungen zu unseren europäischen Nachbarstaaten weiter zu fördern.
Entsprechend der Zielstellung unseres Vereins denken wir besonders an die konfliktreiche Region des Nahen und Mittleren Ostens und Nordafrikas.
Wir wünschen und hoffen, daß die Bundesrepublik Deutschland sich durch Ihre Tätigkeit als Bundesminister des Auswärtigen stärker als bisher für die friedliche Beilegung von Konflikten in dieser Region engagiert.

Als Nahost-Forum e.V. widmen wir uns der Pflege der Beziehungen mit den Völkern dieses Raumes, wollen wir dazu beitragen, durch Information in Deutschland und Meinungsaustausch zwischen Menschen unseres Landes und des Nahen und Mittleren Ostens , die in Politik, Wissenschaft, Kultur, Kunst, Religion und den Medien wirken, Respekt vor den selbstbestimmten Werten des Anderen, Solidarität und Verständigung zu befördern.

Wir meinen, daß ein künftiges Europa nur in Frieden und Sicherheit gedeihen kann, wenn es gelingt, gleichberechtigte und vertrauensvolle Beziehungen zu den Völkern des Nahen und Mittleren Ostens zu entwickeln.
Wir wünschen Ihnen, sehr geehrter Herr Minister, viel Kraft und eine glückliche Hand, um einen konstruktiven Beitrag deutscher Außenpolitik zur Entschärfung der Situation in dieser neuralgischen Region zu leisten.
Mit Besorgnis verfolgen wir die jüngsten Aktivitäten unseres NATO-Partners Türkei, der in Bezug auf das Verhältnis zu Minderheiten im eigenen Land der Politik serbischer Führer auf dem Balkan, der zu Recht größte Aufmerksamkeit und Wachsamkeit der Weltöffentlichkeit gewidmet wird, nicht nachsteht.

Jetzt wurde sogar damit gedroht, die NATO in die Rolle einer Kriegspartei in einen Konflikt mit Syrien und anderen arabischen Staaten zu drängen. Dies zu einer Zeit, wo alle Bemühungen darauf gerichtet sein sollten, die Bemühungen zu unterstützen, die unternommen werden, um den seit Jahren stagnierenden ”Friedensprozeß” im Nahen Osten vor dem endgültigen Scheitern zu retten. Die Glaubwürdigkeit der NATO und Europas und somit auch der Bundesrepublik wird damit auf den Prüfstand gestellt.
Sehr geehrter Herr Minister, wohl wissend, daß religiös oder nationalistisch verbrämte Terroraktionen ein ernstes Hindernis für den Abbau von Vorbehalten gegenüber anderen Völkern und ihrer Kultur und Religion darstellen, werden wir nicht nachlassen, für Toleranz zwischen den Kulturen einzutreten.

Wir verurteilen jede Art von Terror auf das Schärfste. Wir meinen jedoch, daß Gefühle der Ohnmacht gegenüber echtem oder vermeintlichen Druck der Mächtigen ein wesentlicher Nährboden für das Gedeihen von Terrorismus sind. Bombardements wie unlängst in Khartoum oder Afghanistan halten wir für ungeeignet, Terrorismus zu bekämpfen. Müssen sich unschuldig betroffene Menschen derartiger Aktionen nicht berechtigterweise als Opfer des Terrors fremder Mächte fühlen?

Aus gleichen Überlegungen beurteilen wir auch die gegenwärtig mehrfach praktizierte Boykottpolitik kritisch. Ausgeschlossen natürlich Rüstungsboykotte, wobei wir uns in dieser Frage viel mehr Konsequenz wünschen.

Es sei jeder Regierung unbenommen, zu werten, ob eine andere Regierung legitimiert sei, nach ”unserem” Ermessen ihr Volk zu repräsentieren oder nicht. Aber ein Volk durch Boykott dem Hungern und der kollektiven Verarmung preiszugeben, weil der Regierung, deren Mitglieder und Familien persönlich sicher in keiner Weise zu leiden haben, die Legitimierung abgesprochen wurde, halten wir für unsittlich, unrecht und unmenschlich.
Wir bitten Sie daher, sehr geehrter Herr Minister, dafür einzutreten, daß bei konsequenter Kontrolle des Rüstungsexports in diese Region Handelsboykotte und Transport- und Verkehrsbeschränkungen gegen Länder wie Libyen und Irak aufgehoben werden.
Herr Minister, nehmen Sie noch einmal unsere besten Wünsche für Ihre verantwortungsvolle Tätigkeit als Bundesminister des Auswärtigen unseres Vaterlandes entgegen.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Freimut Seidel
Botschafter a.D.
Vorsitzender